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Klima

Die Landschaft der Goitzsche wurde durch den Tagebau auf extremste Weise umgestaltet. Alle klimabeeinflussenden Merkmale wie Vegetation, Wasser und Relief waren betroffen. Im folgenden Kapitel sollen nun die klimatische Auswirkungen dieser Veränderungen auf die Goitzsche und ihr Umland erläutert werden.

Allgemeine Rahmenbedingungen

Der Landkreis Anhalt-Bitterfeld befindet sich an der östlichen Grenze des mitteldeutschen Trockengebietes. Die Goitzsche liegt somit im Bereich des "Ostdeutschen Binnenlandklimas" im Klimabezirk "Leipziger Bucht". Prägend ist hier der subkontinental-subozeanische Charakter mit überwiegendem Sommerniederschlag und jährlichen Temperaturschwankungen von >18 K, also relativ kalte Winter und heiße Sommer.

Typische Wettererscheinungen in diesem Gebiet sind das Aprilwetter, die Eisheiligen und die Schafskälte. Sie werden durch eine verzögerte Frühjahrserwärmung, aufgrund meridionaler Nord- und Nordwestlagen, hervorgerufen. Im Herbst bleibt die Abkühlung gegenüber der jahreszeitlichen Strahlungsabnahme in Folge von Südlagen oder eines Hochs über Mitteleuropa zurück.

 

Temperaturen

Bei den Temperaturverhältnissen lässt sich ebenfalls eine subkontinentale Tendenz beobachten (Landschaftsrahmenplan des Landkreises Bitterfeld 1994). Trotz relativ geringer Temperaturen im Januar erreicht die Mittlere Jahresamplitude der Lufttemperatur aufgrund der hohen Juliwerte mit 18,6 °C einenrecht hohen Wert.

Die mittlere Jahrestemperatur liegt zwischen +8,5 °C und +9 °C, die mittlere Lufttemperatur beträgt im wärmsten Monat (Juli) +17,5 °C bis +18 °C und im kältesten Monat (Januar) 0 °C bis 1°C. Eine Tagesmitteltemperatur von +5 °C wird im langjährigen Mittel im Zeitraum vom 25. März bis zum 5. November erreicht. Bei Bitterfeld wird eine mittlere Tagesmitteltemperatur von +10 °C bereits am 25. April erreicht (im restlichen Kreisgebiet erst am 30. April). Das mittlere Ende der Tagesmitteltemperatur von +10 °C liegt hier mit dem 10. Oktober fünf Tage später als im übrigen Gebiet. Grund hierfür war der Einfluss der großen Industriebetriebe. Ob dies heute noch in diesem Umfang zutrifft, müsste geprüft werden. Wahrscheinlich haben sich die Temperaturverläufe von Bitterfeld mit dem Schließen vieler Betriebe Anfang der 90-er Jahre und dem damit zusammenhängenden Verringern des Wärmeausstoßes an die Werte der Umgebung angepasst.

Niederschlag

Der Niederschlag ist über das gesamte Jahr verteilt und, bedingt durch den Regenschatten des Harzes, liegen dessen mittlere Jahressummen nur zwischen 500 und 550 mm (Angaben METEOROLOGISCHER WETTERDIENST DER DDR 1987; Mittlungszeitraum 1951 - 1980). Nur wenige Kilometer weiter östlich, in der Dübener Heide, verliert der Harz seinen Einfluss. Dieser klimatische Gradient ist in der Tabelle deutlich erkennbar. Während der Vegetationsperiode (April bis August) differieren die Niederschlagshöhen der einzelnen Messstationen nur geringfügig (Klimatologisches Gutachten-Tagebau Goitzsche 1995).

Das Niederschlagsmaximum liegt vorwiegend in den Sommermonaten. Dies hängt mit den für dieses Gebiet typischen Großwetterlagen zusammen, die eingangs schon erwähnt wurden.

Das lokale Klima der Goitzsche vor der Flutung.

In den Tagebaulöchern traten aufgrund der geringen Oberflächenrauhigkeiten starke Winde auf. So kam es bei niederschlagsarmen Witterungsperioden aufgrund des Bodenabtrags von vegetationslosen bzw. spärlich bewachsenen Flächen zu einem nicht unerheblichen Staubeintrag ins Umland. Ebenso typisch war eine gewisse Trockenheit, die durch die hohen potentiellen Verdunstungsraten, der Grundwasserabsenkung und der Beschaffenheit des Bodensubstrates (Körnung und Gefüge) hervorgerufen wurde. Verstärkt wurde dieser Trockenstress für die Vegetation durch ein Phänomen, das schon seit einigen Jahren beobachtet werden konnte. Hierbei wurden nämlich Sommergewitter, vermutlich infolge der hohen Wämeausstrahlung, von den offenen Tagebauen abgelenkt.

Prognostische Klimaveränderungen durch die Flutung

Die entstehenden Wasserflächen werden temperaturausgleichend wirken, d. h. im Sommer kommt es zu einer gewissen Abkühlung. Die Gefährdung durch Früh- bzw. Spätfröste wird abnehmen, da die Wasserflächen wärmespeichernd wirken. Der Staubeintrag ins Umland wird sich ebenfalls verringern, weil zum einen viele heutige "staubliefernde" Flächen überflutet werden und zum anderen, weil die bessere Wasserversorgung eine wesentlich dichtere Vegetationsdecke ermöglichen wird. An den flach ansteigenden Ufern der neu entstehenden Seen ist mit einer hohen Windbelastung und hohem Wellenschlag zu rechnen. Es wird zudem zu einer Erhöhung des Wasserdampfgehaltes der Luft kommen. Gründe hierfür sind die zukünftigen Seen, der ansteigende Grundwasserspiegel und eine besser mit Wasser versorgte Vegetation. Folglich ist mit einer zunehmenden Schwüle- und Nebelbildungsneigung zu rechnen (SCHÄPEL 1999).

Mikroklimatische Besonderheiten

Die Goitzsche weist als ehemaliges Tagebaugebiet kleinklimatische Besonderheiten auf. Hervorgerufen werden diese durch die Großflächigkeit, das Relief und andere abbaubedingter Gegebenheiten. So herrschen z. B. fast immer Luftbewegungen auf den vegetationsarmen bzw. vegetationslosen Flächen, was eine starke Verdunstung nach sich zieht. Dokumentiert wurden diese mikroklimatischen Besonderheiten neben anderen Untersuchungen durch wiederholte Klimamessungen der TU Berlin und der Knoll Ökoplan GmbH Leipzig. Sie erfolgten von 1994 bis 1997 und lieferten so umfangreiches Datenmaterial für dieses Gebiet. Gegenstand dieser Arbeiten war vor allem, das Lokalklima vor der Flutung zu beschreiben, damit man nach dem Aufgehen des Wassers die Möglichkeit hat, die entstandenen Veränderungen des Mikroklimas mit der früheren Situation zu vergleichen. Ein geeigneter Standort für die Messstation fand sich im Bereich des Bärenhofes.

Klimauntersuchungen am Beispiel Bärenhof

Das Bärenhofplateau liegt im Tagebau Goitzsche zwischen dem Restloch Bärenhof und dem Restloch Döbern. Es besteht aus einem aufgeschütteten Südteil und einem unverritzten Nordteil. Die beiden Messstationen, die jeweils den geschütteten bzw. den gewachsenen Bereich repräsentieren, lagen nur etwa 500 m voneinander entfernt.

Die Station auf dem geschütteten Gelände stand in einer lückigen Kiefernpflanzung (etwa 1 m hohe Schwarzkiefern). Das Bodenmaterial bestand aus einem Mittelsand mit feinsandigen Anteilen. Die Station auf dem vom Bergbau in Anspruch genommenen Teil des Bärenhofes befand sich inmitten einer ruderalisierten, hochwüchsigen Wiesenbrache. Der Gras und Krautbestand wurde im Bereich der Station mehrmals zurückgeschnitten. Im Norden wird diese offene Fläche von einem Auwaldrestbestand begrenzt. Die oberste Bodenschicht besteht aus schwach feinsandigem Ton (Auelehmstandort). Die Messungen erfolgten in den Sommermonaten Juni, Juli und August 1996. Die Messwerte wurden oberflächennah aufgenommen (20 Zentimeter über bzw. 2, 5 und 15 Zentimeter unter der Bodenoberfläche), um die klimatischen Randbedingungen für die Flora und Bodenfauna zu beschreiben.

Der Auswertung liegen Stundenwerte zugrunde,die für den mittleren Tagesgang des Sommers über die jeweiligen Tagesstunden ermittelt wurden.

Ergebnisse der Untersuchungen

Im Vergleich zum Umland waren die klimatischen Unterschiede bei geringer Bewölkung und bei geringen Windgeschwindigkeiten am ausgeprägtesten. Vor allem in den Nächten konnten beträchtliche Differenzen bei der Temperatur und der relativen Feuchte festgestellt werden. Ursache dieser nächtlichen Temperaturerhöhung war der Einfluss der Tagebaugruben. Mit der Luftströmung gelangte von hier relativ warme Luft auf das höher liegende Umland und somit auch auf die Bärenhofinsel. Die leicht erhöhten Feuchtwerte können als ein Einfluss der Auwaldreste bewertet werden.