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Hydrologie

Die ursprünglichen hydrologischen und hydrographischen Verhältnisse sind aufgrund des Tagebaus, vor allem durch die Grundwasserabsenkung, extrem stark gestört worden. Über den Zustand der hydrologischen Verhältnisse vor dem Bergbau existieren kaum Unterlagen. Eine Erläuterung kann deshalb nur sehr allgemein erfolgen. Erste Grundwasserbeobachtungen erfolgten im Gebiet um 1912. THIEM erstellte 1921 die erste hydrologische Übersicht für das Gebiet um Bitterfeld. Die Grundwasserverhältnisse in diesem Raum wurden und werden durch folgende Haupteinzugsgebiete charakterisiert: im Norden durch die Elbe, im Westen durch die Saale, im Süden durch die Weiße Elster und im Osten durch die Mulde.

Die hydrologischen Verhältnisse werden des weiteren durch die Grundwasserleiter (großflächige Ablagerungen von Sanden und Kiesen), die sich über, unter und auch zwischen den Braunkohleflözen befinden, bestimmt. Getrennt werden diese Grundwasserleiter durch stauende Schichten wie Tone, Schluffe und die Kohleflöze. An den Stellen wo diese Stauer nicht vorhanden sind, bestehen hydraulische Verbindungen zwischen den Grundwasserleitern untereinander.

Grundwasser im Bergbau

Um die Flöze abbauen zu können musste das Grundwasser abgesenkt werden. Im Gebiet herrschte sogar teilweise Druckwasserspiegel, unter Druck stehendes Grundwasser, das sich zwischen zwei undurchlässigen Schichten in Mulden sammelt und oft springbrunnenartig als "artesische Brunnen" an die Oberfläche tritt (KRAUTER & ROTHER 1992). Die Grundwasserspiegelabsenkung an sich wurde früher durch untertägige Streckenentwässerung und später über Filterbrunnenriegel vorgenommen.

Die Ableitung dieser Tagebauwässer erfolgte über Rohrleitungssysteme in die Vorfluter. Es kam so zur fast vollständigen Entwässerung der Grundwasserleiter des Deckgebirges dieser Region. Doch auch der hohe Wasserbedarf der chemischen Industrie in und um Bitterfeld trug wesentlich zum Absinken des Grundwasserspiegels bei. Im Grundwasserleiter 50 wurde so zum Beispiel der Druckwasserspiegel vollständig abgebaut. Zum Teil wurde auch der Grundwasserspiegel im angrenzenden Gelände beeinflußt. Es kam zur Ausbildung eines sogenannten Absenkungstrichters. Dessen Größe hängt in der Regel von der Mächtigkeit und Verbreitung der Grundwasserleiter ab (Chronik des Braunkohlenbergbaus im Revier).

Die heutigen geologischenVerhältnisse

Eine fortschreitende Entwässerung war nach Einstellung der Braunkohlenförderung nun nicht mehr nötig. Die Einstellung derselben war aber auch nicht möglich, da die Sanierung der Endböschungssysteme der Tagebaurestlöcher nur unter Haltung des Wasserspiegels zu realisieren war. Erst nach deren Beendigung startete 1998 die stationäre Strömungsphase, das heißt, es begann die Flutung der Restlöcher. Ziel hierbei war und ist es, einen sich weitgehend selbst regulierenden Wasserhaushalt zu schaffen und mit einem ökonomisch vertretbaren Aufwand die entstehende Seenlandschaft zu gestalten. Schwerpunkt hierbei ist vor allem die rasche Auffüllung der Restlöcher mit qualitativ geeignetem Fremdwasser bzw. durch Eigenaufgang. Möglich ist das nur durch umfangreiche Berechnungen und das Auswerten hydrologischer Modelle, welche auch zum Treffen von Aussagen bezüglich des zukünftigen Grundwasserspiegels herangezogen werden. Eine ständige Anpassung dieser Modelle an die sich wechselnden Situationen ist hierbei natürlich unerlässlich.

Die Flutung der Restlöcher im Bitterfelder Revier erfolgt über Fließgewässer (Mulde) und über Grundwasserzustrom. Letztendlich wird dann eine Seenlandschaft von über 23 Quadratkilometer Fläche entstehen. Die Uferlänge wird aufgrund der zahlreich entstehenden Buchten, Inseln und Halbinseln rund 66 Kilometer betragen.

Mehr als 335 Millionen Kubikmeter Wasservolumen werden die einzelnen Seen insgesamt haben. Leider werden die Grundwasserstandsveränderungen einige außerhalb des Tagebaugebietes existierende Altablagerungen und Altstandorte berühren. Um eine mögliche Gefährdung, die von diesen Standorten ausgehen kann, zu verhindern, wurde ein Untersuchungsprogramm festgelegt. Die LMBV handelt hierbei analog der Schutzzielsicherung im Stadtgebiet Bitterfeld als Projektträger im Auftrage des Landes (Planfeststellungsverfahren Flutung Tagebaurestlochkomplex Goitzsche).