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Flora und Fauna

Der Landkreis Anhalt-Bitterfeld weist eine markante pflanzengeographische Dreiteilung in Dübener Heide, Köthener Ackerland und Urstromtal der Mulde auf. Gründe hierfür sind die Lage am Rand des mitteldeutschen Trockengebietes und die Prägung der Landschaft durch die Eiszeit.

Ursprüngliche Vegetation

Als ursprüngliche bzw. natürliche Vegetation versteht man diejenigen Pflanzengesellschaften, die ohne jemals erfolgte menschliche Beeinflussung vorhanden wären. Unterscheiden würden sie sich entsprechend der vorherrschenden Bedingungen (Klima, Hydrologie, Geologie, Geomorphologie, Bodengeologie usw.). Struktur und Artenzusammensetzung befänden sich mit den eben genannten Faktoren im Gleichgewicht. Rekonstruieren lässt sich die ursprüngliche Vegetation aus der heutigen Verbreitung der Bodentypen, da sie sich aus der damals ausgeprägten Vegetation entwickelten.

Reale Vegetation

Sie ist diejenige Vegetation, welche die ursprünglichen Pflanzengesellschaften aufgrund der menschlichen Tätigkeit abgelöst hat. Die Goitzsche als Tagebaulandschaft ist dabei durch eine sehr eigenständige Vegetation gekennzeichnet. Neben Kiefern-, Robinien- und Pappelaufforstungen und Vorwaldstadien mit Birke und Zitterpappel beherrschen monotone, von Landreitgras dominierte Grasfluren weite Teile der Kippenflächen. Diese bestehen meist aus tertiären Sanden und Kiesen. Stellenweise sind Sandtrockenrasen mit Silbergras und Sandstrohblume anzutreffen. Eine interessante Wasservegetation kann man in den Tagebaurestseen beobachten. So findet man z. B. auf alten Spülkippen breite Schilfgürtel und auf den manchmal vorhandenen Salzablagerungen die Strandaster, die hier wie einige andere halophile Pflanzen, einen Sekundärstandort gefunden hat. In diesem Zusammenhang muss aber gesagt werden, dass durch die Flutung der Tagebaurestlöcher und durch das Ansteigen des Grundwasserspiegels sich die reale Vegetation stark verändern wird - in welchem Umfang, bleibt abzuwarten.

Potentielle natürliche Vegetation

Als potentielle natürliche Vegetation bezeichnet man diejenige hypothetische Vegetation, die sich einstellen würde, wenn jede menschliche Aktivität auf einmal beendet wäre. Da der Mensch die abiotischen Standortverhältnisse in der Goitzsche z. T. gravierend verändert hat, weicht diese oft von der ursprünglichen Vegetation ab. In unserem Fall wurden sogar völlig neue Bedingungen geschaffen. Typische Eingriffe in Tagebaugebieten sind zum Beispiel:

An Stelle der ursprünglichen Böden an der Erdoberfläche liegen heute oft geologisch ältere Substrate, das Grundwasserregime ist stark verändert, es entstanden (und entstehen noch) tiefe Klarwasserseen und große Flächen sind melioriert. Ein Beispiel für diese hypotethische Vegetation wären birken- und kiefernreiche Stieleichenwälder, die sich auf den armen Kippenstandorten ansiedeln würden.

Die heute in der Goitzsche stattfindenden Untersuchungen befassen sich hauptsächlich mit der Pflanzenwelt. So wird nun schon seit einigen Jahren eine Fülle von Datenmaterial zusammengetragen. Diese Ergebnisse hier darlegen zu wollen, ist aber aufgrund der Menge leider unmöglich.Vielmehr möchten wir an dieser Stelle auf die bereits vorhandene Literatur verweisen.

Nützliche Nachschlagewerke wären z. B.:

  • die FBM-Projekte und deren Zwischenberichte; 
  • BOHNE, S. (1996): Struktur und Dynamik der Sandtrockenrasen im ehemaligen Braunkohlentagebau Goitsche; 
  • HARKE, H. (1996): Struktur und Dynamik der Birkenvorwälder im ehemaligen Braunkohlentagebau Goitsche.

Die Fauna der alten Goitzsche

Die Tierwelt der Goitzsche war aufgrund der vielfältigen Biotopstrukturen sehr reichhaltig und bot vor allem den Vögeln einen idealen Lebensraum. Leider ist es sehr wahrscheinlich, dass es damals viel mehr Tierarten gab, als in der Literatur erwähnt werden. Ein weiteres Problem stellen die Bezeichnungen der Tiere dar - es ist heute oft nicht mehr nachvollziehbar, welches Tier mit dem damaligen Trivialnamen gemeint war.

Die heutige Fauna

Durch den Braunkohlentagebau wurden aber Lebensräume nicht nur vernichtet. Heute zeigt sich die Goitzsche als Herberge zahlreicher Tier- und Pflanzenarten. Der Artenreichtum ist eine Folge der Standortvielfalt hinsichtlich der Böden und der dadurch bedingten Vegetation. Er konnte sich nur aufgrund einer weitgehend geschlossene Nahrungspyramide entwickeln. Ein ebenso wichtiger Faktor für diese Artenvielfalt sind die unterschiedlich großen Wasserflächen. Sie reichen von temporären Kleinstgewässern bis hin zu den sich jetzt entwickelnden riesigen Seen. Nach dem Bergbau entstanden auch weiträumige Rohbodenflächen, die erst allmählich durch die Sukzession und Rekultivierung wieder besiedelt werden. Für die Vogelwelt sind die Gebiete mit den weiten offenen Territorien und den Wasserflächen gern angenommene Anziehungspunkte. Sie dienen als Rast- und Überwinterungsstätten und sind somit von überregionaler Bedeutung. Der Greifvogelpopulation bieten diese Offenflächen der Goitzsche ideale Bedingungen. Bussard, Schwarz- und Rotmilan, Rohrweihe und Turmfalke sind in verhältnismäßig hohen Stückzahlen vorhanden.

Weitere offenlandbedürftige Vögel wie Brachpieper, Braunkehlchen und Rebhuhn sind ebenfalls recht häufig anzutreffen. In den Reliktbeständen des ehemaligen, Goitzschewaldes findet man neben den Spechtarten auch den Pirol; auch die Horste der Greifvögel befinden sich hier. Als am artenreichsten könnte man die Übergangsbereiche zwischen verritztem und unverritztem Gelände bezeichnen. So wurden z. B. im Rahmen einer Brutvogelkartierung im Bereich der Schwedenschanze 47 Brutvogelarten nachgewiesen. Darunter befanden sich sogar mehrere in der Roten Liste aufgeführten Arten, wie Steinschmätzer, Neuntöter und Braunkehlchen.

Auf eine Aufzählung der momentan vorkommenden Tierarten verzichten wir an dieser Stelle bewusst, weil dies den Rahmen der Broschüre sprengen würde. Wir verweisen diesbezüglich auf die zahlreichen anderen Werke, die sich mit diesen Themen befassen. Beispiele hierfür sind die Avifauna der Goitzsche oder die FBM-Berichte.